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Der Aleijadinho und der betende Stein: Behinderung, Gnade und die Ästhetik des Heiligen im Barock von Minas Gerais

Ein Essay über Antônio Francisco Lisboa, das in Sakralkunst verwandelte Leiden und die schweigende Theologie des Speckstein-Barocks in Minas Gerais.

I. Der Mensch und die widerstehende Materie

Es gibt ein Bild, das Jahrhunderte durchquert und uns noch immer anspricht: das eines Mannes, dessen Hände, verwundet durch ein Leiden, das die Überlieferung nie mit Genauigkeit zu benennen wusste — die Hypothesen schwanken zwischen Lepra, angeborener Syphilis und degenerativen Nervenerkrankungen —, den an die Finger gebundenen Meißel hielten, um dem Speckstein die Gestalten von Propheten und Heiligen zu entreißen. Antônio Francisco Lisboa, der Aleijadinho, wurde im 18. Jahrhundert in Vila Rica geboren, Sohn eines portugiesischen Baumeisters und einer versklavten Frau, und wurde, trotz allem — oder vielleicht gerade deswegen —, zum größten Meister des Barocks, der in den kolonialen Minas Gerais aufblühte.

Wir haben hier nicht die Absicht, eine Biographie nachzuzeichnen, die Kunsthistoriker bereits mit der gebührenden Sorgfalt behandelt haben, noch als gesichert zu behaupten, was medizinische Hypothese bleibt. Was uns als Essayisten des Heiligen interessiert, ist die Frage, die sein Werk demjenigen, der es betrachtet, schweigend stellt: Wie kann der verwundete Leib eine Schönheit hervorbringen, die auf das Ewige verweist? Diese Frage ist nicht neu — sie durchzieht die christliche Hagiographie, die jüdische Mystik des erlösenden Leidens und selbst gewisse spiritistische Strömungen, die im Schmerz ein Instrument der Vervollkommnung der Seele sehen —, doch selten hat sie einen so konkreten, so aus Stein und Meißel geformten Ausdruck gefunden wie im Werk des Meisters aus Minas.

II. Die verwundete Hand und die Geste, die fortbesteht

Die mündliche Überlieferung erzählt — und hier sprechen wir von Tradition, nicht von schlüssigem Dokument —, dass der Bildhauer, gestützt von seinen Gehilfen, arbeitete, das Werkzeug an das gebunden, was ihm von den Händen geblieben war, und Werke von solcher Feinheit schuf, dass sie jede bloß technische Erklärung herausfordern. Mag ein solcher Bericht Übertreibungen enthalten, die dem Volksgedächtnis eigen sind, das seine großen Künstler stets zu mythisieren pflegt, so offenbart er doch etwas Tieferes als die isolierte historische Tatsache: das menschliche Bedürfnis, die Schöpfung als Sieg über die Beschränkung zu begreifen, nicht als deren Verneinung.

Man muss jedoch der leichten Versuchung widerstehen, die Behinderung in ein erbauliches Schauspiel zu verwandeln, in eine Fabel der Überwindung, die eher dem Trost des gesunden Betrachters dient als der Würde des Leidenden. Der Aleijadinho schrieb keine Abhandlungen über seinen Schmerz; er hinterließ kein Zeugnis von Klage oder Verherrlichung des eigenen Martyriums. Was er hinterließ, war Arbeit — konkretes, datiertes, bestelltes, bezahltes Werk, das mit Pfarrern und den Bruderschaften, die es finanzierten, besprochen wurde. Darin liegt eine Lehre der Nüchternheit, die sich die zeitgenössische Spiritualität, so oft gierig nach Erzählungen heroischer Überwindung, gut merken sollte: Heiligkeit und Kunst verlangen kein Schauspiel des Leidens, sondern Treue zum Handwerk, welchen Leib auch immer es ausübt.

III. Der Speckstein und die Theologie der zurückgehaltenen Geste

Der Speckstein, ein in den Bergen von Minas reichlich vorkommender Steatit, besitzt eine Eigenschaft, die ihn vom europäischen Marmor unterscheidet: Er ist weich im Schnitt, härtet aber mit der Zeit und der Einwirkung der Luft, als imitierte die Materie selbst jenen geistlichen Prozess, den die Sakralkunst darzustellen wünscht — die Seele, die sich in der Prüfung formt und in der Tugend verfestigt. Die Propheten des Aleijadinho, geschaffen für den Vorplatz des Heiligtums von Bom Jesus de Matosinhos in Congonhas do Campo, sind keine gelassenen Gestalten nach Art des italienischen Klassizismus; es sind Körper in Verdrehung, Gewänder, die sich bewegen, als durchführe sie ein unsichtbarer Wind, Gesichter, gezeichnet von einer Ekstase, die an Angst grenzt.

Diese Ästhetik, dem Barock in seiner dramatischsten Ausprägung eigen, feiert den Schmerz nicht um seiner selbst willen, sondern nutzt ihn als Sprache, um auszudrücken, was das Wort nicht erreicht: das Staunen des Geschöpfs vor dem göttlichen Mysterium. Der barocke Katholizismus, Erbe der Gegenreformation, fand in der Darstellung des leidenden Körpers — der gegeißelte Christus, die gemarterten Heiligen, die in Trance versetzten Propheten — eine Weise, Lehren visuell zu übersetzen, die die scholastische Theologie in Syllogismen formulierte. Der geschnitzte Schmerz ist keine Feier fremden Leidens, sondern Einladung zum Mitleid, im etymologischen Sinne des Wortes: mit dem anderen leiden, im steinernen Antlitz die eigene menschliche Zerbrechlichkeit vor dem Heiligen erkennen.

IV. Die Propheten von Congonhas: Stein, der den Pilger anspricht

Die zwölf Propheten des Alten Testaments, angeordnet auf dem Vorhof des Heiligtums, wurden nicht als Dekoration ersonnen, sondern als geistliches Itinerar: Der Pilger, der die Treppe hinaufsteigt, zwischen den Kapellen der Stationen, die die Passion erzählen, findet Isaias, Jeremias, Ezechiel, Daniel und die übrigen biblischen Seher als steinerne Wachen, die Jahrhunderte vor Christus das Mysterium ankündigen, das sich weiter oben vollenden wird. Darin liegt eine bemerkenswerte theologische Gelehrsamkeit für einen Künstler, der niemals Zugang zu einer akademischen europäischen Ausbildung hatte und sich, allem Anschein nach, an Stichen und andächtigen Drucken orientierte, die im kolonialen Minas im Umlauf waren.

Die Geste jedes Propheten — der zeigende Arm, die sich entrollende Schriftrolle, der Blick, der sich im Horizont verliert — bildet eine heilige Choreographie, die den physischen Raum in einen liturgischen Raum verwandelt. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass Congonhas für die brasilianische Spiritualität etwas Analoges darstellt zu dem, was Chartres für die französische Gotik bedeutet: ein Ort, an dem sich Architektur, Bildhauerkunst und natürliche Topographie verbinden, um den Geist des Besuchers, gläubig oder nicht, zur Betrachtung des Transzendenten zu erheben. Und gerade diese Fähigkeit, den Stein zum Sprechen zu bringen, die rohe Materie in prophetische Verkündigung zu verwandeln, bildet das dauerhafteste Erbe des Meisters aus Minas — ein Erbe, das die konfessionellen Grenzen überschreitet und mit jeder Tradition in Dialog tritt, die in der Schönheit einen legitimen Weg zum Heiligen anerkennt.

V. Gnade, freier Wille und die Würde des verwundeten Leibes

Aus der spirituellen Perspektive, die dieser Blog pflegt — christlich in seiner Wurzel, aber offen für den Dialog mit der Kabbala, mit dem Spiritismus und mit den esoterischen Philosophien —, bieten Leben und Werk des Aleijadinho eine Meditation über das Verhältnis zwischen körperlicher Beschränkung und schöpferischer Freiheit. Weder der Katholizismus noch das Judentum noch das spiritistische Denken lehren, dass das Leiden an sich wünschenswert sei; alle erkennen, auf ihre je eigene Weise, dass der Schmerz zur gefallenen menschlichen Verfassung gehört und dass es dem Geist zukommt, sich ihm nicht als Fatalität zu ergeben, sondern ihn, soweit möglich, in eine Gelegenheit sittlichen und geistlichen Wachstums zu verwandeln. Der freie Wille bleibt der Kern dieser Verwandlung: Selbst angesichts der körperlichen Beschränkung wählte der Künstler — Tag für Tag, Werk für Werk — sein Handwerk weiter auszuüben, und diese wiederholte Wahl ist an sich ein Akt der Würde, den keine Krankheit ihm nehmen konnte.

Es wäre unklug, ja sogar respektlos, zu behaupten, die Behinderung sei eine 'Gabe' oder ein 'verkapptes Segen' gewesen — eine Sprache, die oft eher dazu dient, das Gewissen des äußeren Betrachters zu beruhigen, als den tatsächlich Leidenden zu ehren. Was wir mit der gebotenen Behutsamkeit sagen können, ist, dass die Gnade — in der christlichen Tradition verstanden als unentgeltliche Hilfe Gottes an den menschlichen Willen — die Natur noch den Schmerz nicht aufhebt, aber mit dem freien Bemühen des Geschöpfes zusammenwirken kann, sodass aus der Zerbrechlichkeit ein Werk von Schönheit und Sinn hervorgeht. Dieses Zusammenwirken von Gnade und Freiheit, von Beschränkung und Schöpfung, ist vielleicht die dauerhafteste Lehre, die uns der von verwundeten Händen behauene Stein hinterlässt: dass die menschliche Würde sich nicht an der Unversehrtheit des Leibes bemisst, sondern an der Treue des Geistes zu dem Ruf, den er als den seinen erkennt.

Eisenheim

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