
Baal
Das Verlangen zu herrschen
'“Wann hört das Begehren auf zu lieben und beginnt zu herrschen?”'
Da ist ein Tempel aus Stein, in dem die Luft heiß ist und das Schweigen wie eine Menge lastet — als warteten tausend unsichtbare Stimmen, den Atem anhaltend, auf ein einziges Zeichen, um niederzuknien. Kein Götze aus Bronze ist dort; eine hungrige Leere in der Mitte des Saals, darauf wartend, vom Verlangen dessen erfüllt zu werden, der eintritt. Dort wohnt Ghoreb Zereq, die Raben der Zerstreuung, der Schatten von Netzach, der Säule der Zuneigung, die die Seele lieben, begehren und ausharren lässt. Der Name, den dieses Verlangen ohne Freiheit annimmt, wenn es die Arme öffnet, nicht um aufzunehmen, sondern um zu umzingeln, ist Baal — der König, der nicht durch Gewalt erobert, sondern indem er die Menge anflehen lässt, erobert zu werden.
Im neunten Band von Der Baum des Todes setzt sich Frater Eisenheim der Intelligenz der Zugehörigkeit gegenüber — jener, die nicht schmeichelt wie Belphegor, sondern verführt: sie nimmt auf, sie versteht, sie verspricht, dass du endlich gefunden hast, wohin du gehörst. Baal fordert die Knie nicht durch Erlass; er lehrt die Seele, sie von sich aus beugen zu wollen, denn er weiß, dass der Mensch mehr fürchtet, niemandem zu gehören, als von jemandem beherrscht zu werden. Jede Umarmung jenes Tempels ist eine Belagerung — bis der Interviewer, in dem Wasser, das er in der hohlen Hand zusammenpresst und das ihm zwischen den Fingern zerrinnt, den einzigen Unterschied zwischen Besitzen und Lieben begreift: die geschlossene Faust verliert, was sie festzuhalten versucht; nur die offene Hand behält es, aus freiem Willen.
Es ist kein Handbuch. Es ist eine offene Hand — und was sie enthüllt, ist der genaue Abstand zwischen der Liebe, die befreit, und dem Verlangen, das nur besitzen will.
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