Die Gewänder Adams: Der Körper als Symbol vor und nach dem Exil aus Eden
Ein Essay über die jüdische und christliche Mystik des menschlichen Körpers als geistiges Gewand, mit einer Betrachtung über Fall, Exil und Wiederherstellung im Lichte der Kabbala und der Gnosis.
I. Der Körper vor dem Exil: Gewand aus Licht
In der jüdischen Mystik findet sich eine alte Überlieferung — von Meistern durch die Jahrhunderte weitergegeben und in den rabbinischen Kommentaren wie auch in den Strömungen der Kabbala auf vielfältige Weise ausgearbeitet —, wonach Adam vor seinem Fall nicht undurchsichtiges Fleisch trug, sondern ein Gewand aus Licht. Dieses Bild, das in verschiedenen geistigen und mystischen Traditionen Widerhall findet, darf nicht als historische oder anatomische Tatsache verstanden werden, sondern als ein dichtes, kaum in rationale Sprache zu übersetzendes Symbol: das eines Körpers, der Durchsichtigkeit war und nicht Schranke; Gefäß der Gemeinschaft, und nicht der Trennung.
Diese Vorstellung legt nahe, dass der ursprüngliche Mensch in einem Zustand lebte, in dem Inneres und Äußeres sich nicht widersprachen. Der Körper verbarg die Seele nicht — er offenbarte sie, wie ein Kristall das Licht offenbart, das ihn durchdringt. Von 'Gewändern aus Licht' zu sprechen bedeutet also, von einer Bedingung zu sprechen, in der die Materie kein undurchsichtiger Schleier des Geistes war, sondern dessen treueste und durchsichtigste Ausdrucksform. Es handelt sich um ein klares Bild der verlorenen Einheit, nicht um eine wörtliche Beschreibung edenischer Biologie.
II. Das Exil und das Gewand aus Fellen
Die Erzählung der Genesis, gelesen von Generationen jüdischer und christlicher Exegeten, berichtet, dass Adam und Eva nach der Übertretung mit 'Röcken von Fellen' bekleidet wurden. Zahlreiche Kommentatoren der jüdischen Tradition — in Deutungen, die in mystischen Kreisen klassisch geworden sind, ohne dass dies eine einhellige Lehre oder ein Dogma darstellte — erblickten in diesem Wechsel des Gewandes eine Metapher der menschlichen Verfassung nach Eden selbst: Der Körper, zuvor leuchtend und durchsichtig, wird nun dicht, undurchsichtig, dem Hunger, der Ermüdung, dem Tod unterworfen.
Es geht hier nicht darum, die Materie als etwas an sich Böses zu verurteilen — es wäre ein schwerer Irrtum, diese Betrachtung mit jenem Dualismus zu verwechseln, den gewisse antike gnostische Strömungen bisweilen vertraten, indem sie den Körper als unabänderliches Gefängnis der Seele behandelten. Die gelassenere und ausgewogenere Deutung, die hier vorgeschlagen wird, besteht darin, dass das 'Gewand aus Fellen' vielmehr einen notwendigen Schleier darstellt, einen Schutz und zugleich eine Grenze, angemessen der neuen Verfassung des aus der ursprünglichen Einheit verbannten Menschen. Es ist die Kleidung des Exils, nicht das Urteil einer für immer verdorbenen Natur.
Dieses Exil trägt jedoch den Samen der Rückkehr in sich. Wenn der Körper zum Schleier wird, so ist es doch auch durch ihn, dass die Seele in der Zeit und in der Geschichte lernen wird, das Verlorene wiederzuerlangen — nicht durch Flucht aus der Materie, sondern durch deren geduldige Verklärung.
III. Die Gnosis und die Erinnerung an den Lichtkörper
Verschiedene gnostische Strömungen der ersten Jahrhunderte der christlichen Ära entwickelten, in ihren zahlreichen und bisweilen widersprüchlichen Systemen, komplexe Mythologien über den Fall des göttlichen Funkens in die Materie. Ohne hier spezifische Lehren zu befürworten — viele von ihnen sind heute nur fragmentarisch bekannt, durch Texte wie die Manuskripte von Nag Hammadi —, lässt sich sagen, dass es in diesen Traditionen eine mit der jüdischen Mystik gemeinsame Intuition gibt: dass der Körper die Erinnerung an einen früheren, leuchtenderen Zustand in sich trägt, und dass der geistige Weg in gewissem Maße ein Bemühen um Anamnesis ist — um die Erinnerung an das Vergessene.
Diese Intuition ist nicht dem antiken Gnostizismus vorbehalten. Sie findet, auf je unterschiedliche Weise, Widerhall bei christlichen Mystikern, bei jüdischen Kabbalisten und selbst in bestimmten spiritistischen Strömungen, die den physischen Körper als vorübergehendes Gewand des Geistes verstehen, das aufeinanderfolgenden Läuterungen unterworfen ist. Was diese so verschiedenen Stimmen eint, ist keine gemeinsame Lehre, sondern dieselbe Frage: Wenn der Körper ein Schleier ist, was verhüllt er — und was kann durch ihn noch offenbart werden?
Hier ist Unterscheidungsvermögen geboten: Jede Tradition beantwortet diese Frage mit ihrer eigenen Sprache, ihrer eigenen Kosmologie, ihren eigenen dogmatischen Grenzen. Indem dieser Essay diese Stimmen einander annähert, beabsichtigt er nicht, sie zu vermengen oder einander unterzuordnen, sondern lediglich hervorzuheben, dass die Intuition vom Körper als Symbol — und nicht als endgültiger Zufall — Kulturen und Jahrhunderte mit bemerkenswerter Beständigkeit durchzieht.
IV. Die Kabbala und die Körper der Wiederherstellung
In der kabbalistischen Kosmologie, insbesondere jener, die von den Meistern von Safed entwickelt und in späteren Strömungen fortgeführt wurde, spricht man von unterschiedlichen Ebenen der Bekleidung der Seele — Begriffe, die im Laufe der Jahrhunderte zu bedeutsamen Elementen der Reflexion über die menschliche Natur wurden. Ohne auf technische Einzelheiten einzugehen, die eingehendes Studium und die Anleitung befähigter Meister erforderten, lässt sich allgemein sagen, dass diese Traditionen das menschliche Dasein als einen Prozess aufeinanderfolgender Gewänder beschreiben, jedes dichter als das vorhergehende, durch die der göttliche Funke herabsteigt, um in der materiellen Welt zu wohnen.
Die geistige Arbeit besteht aus dieser Perspektive nicht darin, diese Gewänder zurückzuweisen, als wären sie Fehler, die zu beseitigen wären, sondern darin, sie zu läutern, sie fortschreitend fähiger zu machen, das Licht zu tragen, das sie in sich bergen. Hier liegt ein wesentlicher Unterschied zu einem gewissen radikalen Dualismus: Der Körper ist nicht Feind der Seele, sondern ihr Werkzeug — bisweilen ungefügig, bisweilen widerständig, aber durch ethisches Verhalten, Studium und aufrichtige geistige Übung potenziell vervollkommnungsfähig.
Diese Sicht einer fortschreitenden Wiederherstellung — die Kabbalisten bisweilen mit Begriffen wie 'Tikun', Reparatur, bezeichnen — verspricht keine Abkürzungen und garantiert keine durch Technik oder Formel erreichbaren Vollkommenheitszustände. Sie lädt vielmehr zu der Geduld dessen ein, der versteht, dass das Leben Prozess ist, und dass der Körper, wenn auch aus seinem ursprünglichen leuchtenden Zustand verbannt, ein legitimes Feld geistiger Arbeit bleibt, und kein zu verachtendes oder zu vergewaltigendes Hindernis.
V. Der Körper als Tempel im Bau
Wenn etwas die hier heraufbeschworenen Traditionen — die jüdische Mystik, gewisse gnostische Strömungen, die kabbalistische Reflexion, das spiritistische Denken über die Entwicklung des Geistes durch aufeinanderfolgende Inkarnationen — mit Demut und ohne voreiligen Synkretismus eint, so ist es die Überzeugung, dass der Körper kein endgültiger Zufall ist, sondern ein Symbol in Bewegung. Er erzählt, in seiner eigenen Struktur und in seiner Geschichte, das Drama des Exils und die Hoffnung der Wiederherstellung.
Als Zeremonienmeister in Logen, die fast zweihundertjährige Riten bewahren, habe ich gelernt, dass die freimaurerischen Symbole des Tempels — der rohe Stein, der zu behauen ist, die Säule, die zu errichten ist — tief mit dieser jüdischen und christlichen Intuition des Körpers als unvollendetem Werk in Beziehung stehen. Den rohen Stein zu behauen bedeutet nicht, ihn zurückzuweisen, sondern ihn mit Geduld, Werkzeug und Disziplin zu bearbeiten, bis er, soweit die Materie es zulässt, die Form widerspiegelt, die schon der Möglichkeit nach in ihm war.
So schließe ich, indem ich den Leser einlade, den eigenen Körper weder mit asketischer Verachtung noch mit eitler Vergötzung zu betrachten, sondern mit der Ehrfurcht dessen, der in ihm ein lebendiges Symbol erkennt — Schleier und offenbarender Schleier, Exil und Weg der Rückkehr zugleich. Möge jeder, gemäß seiner Tradition und seinem Gewissen, in der ethischen Sorge um das Fleisch, im Gebet, im Studium und in der Nächstenliebe die legitimen Mittel suchen, sich, wenn auch fortschreitend und ohne Gewissheiten, jenem Licht anzunähern, an das uns die alte Erinnerung Edens beharrlich mahnt, dass wir es einst waren, und dass wir es, vielleicht, noch sein werden.
Eisenheim
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