
Beelzebub
Der Herr der verrotteten Form
Wenn die Form das Leben verliert, das sie bewahren sollte, ist sie dann noch Tempel oder schon Grab?
Da ist ein Tempel, versunken in der Zeit selbst — Säulen von Schlamm überzogen, Glasfenster von Jahrhunderten des Rußes versiegelt, Bücher so durchtränkt, dass die Seiten zu einem einzigen blinden Block geworden sind, unmöglich zu öffnen. Ehrfurcht fehlt dort nicht; das Leben fehlt. Dort wohnt Satariel, jene, die verbergen, der Schatten von Binah, der großen Mutter, die allem, was existiert, Gestalt verleiht. Der Name, den diese verfaulte Mutterschaft annimmt, wenn sie einwilligt zu sprechen, ist Beelzebub — nicht der Herr der Fliegen der Bestiarien, sondern das Prinzip jeder Form, die den Geist verloren hat und sich weigert, begraben zu werden.
Im fünften Band von Der Baum des Todes setzt sich Frater Eisenheim der Intelligenz des Einbalsamierers gegenüber — jener, die nicht lügt, nicht anklagt, keine Bezahlung fordert, nicht erkaltet: sie bewahrt. Beelzebub bietet weder Macht noch Licht; er bietet den verfaulten Frieden all dessen, was schon gestorben ist und noch aufrecht steht, und diese Götzenverehrung nennt er mit der Schale der Treue. Jede Antwort, die er gibt, ist eine Einladung, zwischen zwei leichten Irrtümern zu wählen — den Leichnam zu verehren oder das Haus in Brand zu stecken —, während er den einzigen wahren Ausweg verbirgt: das Gefäß wird weder angebetet noch zerschlagen; es wird gewaschen.
Es ist kein Handbuch. Es ist ein Gefäß — und was es hütet, ist der genaue Abstand zwischen der Überlieferung, die noch brennt, und jener, die bloß vorgibt, lebendig zu sein.
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