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Die Olympische Magie des Arbatel und die Sieben Regenten der Himmel

Ein Essay über das Arbatel de Magia Veterum und seine Lehre von den sieben olympischen Regenten, gelesen als Symbole der Weisheit, kosmischer Ordnung und innerer Disziplin.

Ein diskretes Buch im Morgengrauen der Moderne

Im Jahr 1575 in Basel auf Latein veröffentlicht, ist das Arbatel de Magia Veterum ein singulärer Text im weiten Corpus der hermetischen Literatur der Renaissance. Anders als die großen Grimoires, die ihm vorausgingen oder folgten, beladen mit langen Anrufungen, strengen Fasten und endlosen Katalogen von Geistern, präsentiert sich das Arbatel mit einer nahezu philosophischen Nüchternheit. Es beabsichtigt weniger, Operationen zu lehren, als eine Weltanschauung darzulegen: dass das Universum von geordneten, hierarchischen Intelligenzen regiert wird, und dass der Mensch, indem er Erkenntnis sucht, an einem uralten Gespräch zwischen Himmel und Erde teilnimmt.

Seine Autorschaft bleibt ungewiss, von manchen Kreisen in der Nähe des Paracelsismus zugeschrieben, jener Strömung, die Medizin, Alchemie und Theologie unter einem einzigen Prinzip der Entsprechung zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos zu versöhnen suchte. Das Arbatel steht in diesem Geist: In ihm ist Magie weder Übertretung noch dunkler Pakt, sondern ein Zweig natürlicher Erkenntnis, ebenso rechtmäßig wie die Astronomie oder die Moralphilosophie, sofern sie mit Gottesfurcht und Ehrfurcht vor der vom Schöpfer eingesetzten Ordnung ausgeübt wird. Es ist dieser moralische, fast andächtige Ton, der den Text auszeichnet und uns noch heute zu einer aufmerksamen, leidenschaftslosen Lektüre einlädt.

Die Olympici Spiritus und das platonische Erbe der planetarischen Himmel

Der bekannteste Kern des Arbatel ist seine Lehre von den sieben olympischen Regenten, den Olympici Spiritus, Wesenheiten, die den sieben von der antiken Kosmologie anerkannten planetarischen Sphären zugeordnet sind: dem Mond, Mercurius, Venus, der Sonne, Mars, Jupiter und Saturn. Diese Struktur entstammt nicht dem Text selbst, sondern erbt eine jahrtausendealte Tradition, die auf die babylonische Astronomie zurückgeht, durch die platonische und neuplatonische Synthese hindurchgeht und das mittelalterliche christliche Denken durchzieht, das in den konzentrischen Himmeln ein Abbild der göttlichen Ordnung sah — jede Sphäre von einer Intelligenz regiert, jede Intelligenz letztlich dem Willen Gottes unterstellt.

Es handelt sich also nicht um einen verschleierten Polytheismus, ebenso wenig um eine Hierarchie, die der jüdisch-christlichen Angelologie entgegenstünde. Die olympischen Regenten des Arbatel sind vielmehr symbolische Personifikationen kosmischer Kräfte und Tugenden — die lunare Mäßigung, die mercurielle Kommunikation, die venusische Harmonie, die solare Zentralität, der martialische Ungestüm, die jupiterische Großzügigkeit, die saturnische Schwere —, alle verstanden als Diener einer höheren Ordnung. Der ernsthafte Gelehrte erkennt in diesem Schema eine symbolische Sprache zur Beschreibung der Eigenschaften des Menschen selbst und der erschaffenen Welt, keine parallele oder konkurrierende Theologie zu den offenbarten Religionen.

Herrschaft, Zeit und die Kunst, das Unsichtbare zu benennen

Ein bemerkenswerter Aspekt des Arbatel ist seine Auffassung, dass jeder dieser sieben Regenten nicht nur über einen Planeten herrscht, sondern auch über eine bestimmte historische Periode, eine Art Zeitalter, das seinem besonderen Einfluss unterliegt. Diese Idee — von zeitlichen Zyklen, die von himmlischen Intelligenzen betreut werden — hallt alte Geschichtsphilosophien wider, die in den menschlichen Ereignissen die Widerspiegelung umfassenderer, kosmischer Bewegungen sahen, an denen das individuelle Bewusstsein teilnimmt, ohne sie völlig zu verstehen. Es ist eine Sichtweise, die zur Demut einlädt: dass wir in Rhythmen eingebettet sind, die uns übersteigen, und dass Weisheit darin besteht, die Zeit, in der wir leben, zu unterscheiden, mehr als sie zu beherrschen.

Der Text weist jedem Regenten Namen, Siegel und Eigenschaften zu, gemäß der grimorialen Konvention seiner Zeit. Hier jedoch ist eine Warnung angebracht, die der Geist des Arbatel selbst nahelegt: Benennen ist nicht Besitzen, und die Geste, eine kosmische Kraft durch ein Symbol zu identifizieren, ist eher eine Übung kontemplativen Verstehens als ein Versuch magischer Kontrolle über das Unsichtbare. Die ernsthafte hermetische Tradition hat stets zwischen der ehrfürchtigen Erkenntnis der Zweitursachen — jener Intelligenzen und Kräfte, die in der natürlichen Welt wirken — und dem unmöglichen Anspruch unterschieden, die göttliche Vorsehung zu selbstsüchtigen Zwecken oder für persönliche Macht zu manipulieren.

Magie als Moralphilosophie: die stille Ethik des Arbatel

Was den heutigen Leser vielleicht am meisten überrascht, ist der moralische Ton des Arbatel. Noch vor jeder operativen Beschreibung besteht der Text darauf, dass die wahre magische Weisheit aus der Gottesfurcht, dem tugendhaften Leben und der Selbsterkenntnis entsteht. Es gibt dort kein Versprechen unbegrenzter Macht, leichten Reichtums oder der Herrschaft über andere; es gibt vielmehr die wiederholte Behauptung, dass der wahre Magier derjenige ist, der zuerst Gerechtigkeit und Weisheit sucht, und dass die Gaben — wenn sie gewährt werden — dem Gemeinwohl und der Ehre des Schöpfers dienen, niemals der Eitelkeit oder der Gier.

Diese stille Ethik nähert das Arbatel anderen spirituellen Strömungen an, die die Unterscheidungsgabe über das Spektakel stellen. So wie bestimmte kabbalistische Schulen darauf bestehen, dass das Studium der göttlichen Namen Reinheit der Absicht erfordert, und so wie die christliche Tradition stets spirituelle Gaben ohne Nächstenliebe mit Misstrauen betrachtet hat, erinnert das Arbatel daran, dass jede verborgene Erkenntnis — wenn sie denn Weisheit genannt werden soll — im Dienst der Tugend, des Nächsten und der Wahrheit stehen muss, niemals der Manipulation anderer oder der Flucht vor den eigenen moralischen Verantwortungen.

Die sieben Regenten als innerer Spiegel

Über ihre historische Funktion als Zeugnis der Renaissance-Magie hinaus können die sieben olympischen Regenten heute als symbolische Landkarte der menschlichen Seele gelesen werden. Jeder klassische Planet entspricht in der astrologischen und philosophischen Tradition einer Fähigkeit oder Neigung der Psyche: der lunaren Empfänglichkeit, der mercuriellen Intelligenz, der venusischen Zuneigung, dem solaren Willen, dem martialischen Mut, der jupiterischen Großherzigkeit, der saturnischen Disziplin. Diese sieben Eigenschaften nicht als äußere Wesenheiten zu betrachten, die zu utilitaristischen Zwecken angerufen werden sollen, sondern als Kräfte, die in sich selbst erkannt, ausgeglichen und zur Reife gebracht werden sollen — das ist vielleicht die fruchtbarste und klügste Lektüre, die man dem Arbatel heutzutage entnehmen kann.

In diesem Sinne nähert sich die olympische Magie weniger einem Ritual der Ergebnisse als einer Disziplin der Selbsterkenntnis, verwandt im Geist — wenn auch in der Sprache verschieden — den Gewissensprüfungen der christlichen Tradition, den philosophischen Meditationen der Stoiker oder den moralischen Vervollkommnungsprozessen, die in freimaurerischen Logen und spiritistischen Zentren gepflegt werden. Der ernsthafte Student des Okkultismus sucht in den sieben Regentens keine Abkürzungen zu materiellem Erfolg, sondern Spiegel, in denen er seine eigenen Neigungen, Übermaße und Mängel erkennen kann, um mit mehr Gleichgewicht und Verantwortung durchs Leben zu schreiten.

Abschließende Betrachtungen: zwischen dem antiken Himmel und der modernen Unterscheidungsgabe

Das Arbatel bleibt, mehr als vier Jahrhunderte nach seiner Veröffentlichung, eine Einladung zum nüchternen und ehrfürchtigen Studium des symbolischen Kosmos, den die Alten der Nachwelt vermacht haben. Seine sieben olympischen Regenten sind keine Versprechen von Macht, sondern Einladungen zur Betrachtung der Ordnung — einer Ordnung, die für den Gläubigen jeder Tradition letztlich stets auf einen einzigen Schöpfer verweist, dessen Weisheit jede planetarische oder angelische Hierarchie übersteigt, die die Menschen im Verlauf der Geschichte ersonnen haben.

Das Arbatel heute zu lesen ist daher eine Übung intellektueller Demut: in den alten Kosmologien nicht Aberglauben zu erkennen, die verworfen, noch Formeln, die wörtlich angewendet werden sollen, sondern Schichten symbolischer Weisheit, die, richtig verstanden, unseren eigenen Weg der Selbsterkenntnis, der Ethik und der Suche nach Wahrheit erleuchten — stets in der vollen und verantwortungsvollen Ausübung des freien Willens, der uns gegeben wurde.

Eisenheim

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