← Olympische Magie
Phul: Der Mond der Wasser
Band VII · Olympische Magie

Phul

Der Mond der Wasser

Teil der Reihe Olympische Magie — Sieben Bände — einer für jeden Olympischen Geist (die sieben Planeten der Alten).

Wann hören der Traum und die Einbildung auf, die Wahrheit zu spiegeln, und der Mensch beginnt, im eigenen Widerschein zu ertrinken, indem er die Kraft für die Quelle hält?

Man steigt zu dieser Wohnstatt weder hinauf noch durchquert man sie: Man steigt hinab. Eine Treppe aus hellem Stein, in der Mitte der Stufen abgetreten, endet am Ufer eines vollkommen kreisrunden Sees, umgeben von alten Säulen — alle stehend, keine gestürzt. Das Wasser ist so still, dass man die Linie zwischen dem Ufer und seinem Widerschein nicht sieht, und über allem schwebt ein riesiger und reiner Mond, dessen Widerschein in der genauen Mitte des Sees ruht, rund wie ein zweiter, liegender Mond. Es gibt dort keine Finsternis: Es gibt helle, silberne Nacht, in der man lesen kann. Weiße Schleier, an den Zweigen befestigt, geöffnete Muscheln mit dem ganzen Mond in einer Fingerbreit Wasser, ein über den Rand hinaus voller Becher, der nicht überläuft, weiße Blumen, die reglos treiben. Dort wacht der siebte und letzte der Statthalter, die das Arbatel als von Gott über die Planeten gesetzt bezeichnet — der Mond, Hüter des Traums, des Gedächtnisses, der Einbildung und der Empfindsamkeit. Der Name, den diese Intelligenz annimmt, wenn sie einwilligt zu sprechen, ist Phul.

Im siebten Band von Olympische Magie setzt sich Eisenheim an den Rand des Wassers und bittet ihn um nichts — weder um einen Traum noch um eine Schau noch um Trost. Im Verlauf von zehn Themen und zehn Nächten enthüllt Phul die lichte Kraft, die ihm anvertraut wurde — den Traum, der übersetzt, das Gedächtnis, das bewahrt, die Einbildung, die enthüllt, die Empfindsamkeit, die aufnimmt — und warnt, stets von der Seite des Lichts, vor dem menschlichen Schatten, der sie verfälscht: die Intuition, die nur Furcht ist, die Fruchtbarkeit, die sich verbirgt, die Sorge, die fesselt, die Nostalgie, die zum Kerker wird, und die Illusion, die sich als Offenbarung kleidet. Jedes Thema schließt mit einer Anmerkung zur Unterscheidung, in der Stimme des Autors, die das empfangene Bild vom hergestellten Bild trennt, den Widerschein, der gehorcht, von der Sache, die widersteht.

Es gibt hier weder Ritus noch Siegel noch Formel noch Evokation — und es ist keine Fiktion: Es ist ein Hören in Gestalt eines Zwiegesprächs, eine Betrachtung, keine Operation. Phul wird nicht umworben noch genötigt; es war Gott, der den Eintritt gewährte, und der Geist selbst weist das Knie zurück und zeigt von sich weg, denn der Mond hat kein eigenes Licht — er spiegelt das eines Anderen. Was das Buch entlarvt, ist nicht der himmlische Bote, sondern das, was die Menschen aus dem Traum und dem Gedächtnis machen, wenn sie sie für eigenes Verdienst und für die Quelle halten.

Siebter und letzter Band von Olympische Magie — Gespräche mit den Sieben Geistern des Firmaments. Nach Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus und Merkur gelangt man zum niedersten und dem Menschen nächsten Himmel: dem Mond, dem Boden der Treppe, dem letzten Ort, durch den das Hohe herabsteigt, ehe es das Leben berührt — der meistbesuchte, der meistgefälschte und der meistgeliebte der sieben. Hier schließt sich der Abstieg durch die sieben Himmel.

Dasselbe Wasser kann den Himmel oder das eigene Gesicht spiegeln — und was sie trennt, ist, den Kopf zwischen dem einen Blick und dem anderen zu heben: Der Mond hat kein eigenes Licht, und gerade deshalb dient er; an dem Tag, an dem er ein eigenes Licht zu haben scheint, ist es schon nicht mehr der Mond, den man sieht, es ist dein Gesicht im Wasser.

Abonnieren zum Lesen Gesamte Reihe ansehen

Lesen durch Abonnement geschützt. Digitales Format (E-Book).