
Hagith
Die Schönheit, die anzieht
Wann hören Schönheit und Liebe auf, die Harmonie zu enthüllen, und der Mensch beginnt, sie zu gebrauchen, um zu besitzen und die Lüge zu schmücken, indem er die Kraft für die Quelle hält?
Man steigt zu dieser Wohnstatt nicht hinauf: Man steigt hinab. Im Grund eines geschlossenen Tales gibt es einen ummauerten Garten, und in ihn tritt man durch eine einzige niedrige Tür in einer weiß getünchten, von Rosen bedeckten Mauer — so niedrig, dass man den Nacken beugen muss, um hindurchzugehen, mit Absicht so gemacht, damit niemand das Haus der Schönheit betrete, ohne sich zuvor einmal gebeugt zu haben. Drinnen ist stets Abenddämmerung: Brunnen mit fließendem Wasser, das von Schale zu Schale fällt, weiße und rote Rosensträucher, dem Himmel zugeneigte Bronzespiegel — keiner dem Gesicht des Vorübergehenden zugewandt — und, in der Ferne, über der Mauer, die Venus, der Abendstern. Dort wacht der fünfte der sieben Statthalter, die das Arbatel als von Gott über die Planeten gesetzt bezeichnet — die Venus, Hüterin der Schönheit, der Liebe, der Harmonie und der Kunst. Der Name, den diese Intelligenz annimmt, wenn sie einwilligt zu sprechen, ist Hagith.
Im fünften Band von Olympische Magie setzt sich Eisenheim an den Rand des Brunnens und bittet ihn um nichts — weder um Liebe noch um Schönheit noch um Lust. Im Verlauf von zehn Themen und eines ganzen Nachmittags enthüllt Hagith die lichte Kraft, die ihm anvertraut wurde — die Schönheit, die die unsichtbare Ordnung enthüllt, die Liebe, die eint, die Harmonie, die versöhnt, die Kunst, die erhebt — und warnt, stets von der Seite des Lichts, vor dem menschlichen Schatten, der sie verfälscht: die Schönheit, die die Lüge schmückt, die Liebe, die besitzt, statt zu einen, die Lust, die zur Flucht wird, die Verführung, die beherrscht, die Fassadenharmonie und die Vergötzung des Scheins. Jedes Thema schließt mit einer Anmerkung zur Unterscheidung, in der Stimme des Autors, die die Schönheit, die über sich hinaus weist, von der trennt, die sich schließt und in der Hand verfault.
Es gibt hier weder Ritus noch Siegel noch Formel noch Evokation — und es ist keine Fiktion: Es ist ein Hören in Gestalt eines Zwiegesprächs, eine Betrachtung, keine Operation. Hagith wird nicht umworben noch genötigt; es war Gott, der den Eintritt gewährte, und der Geist selbst weist das Knie zurück und zeigt von sich weg, denn alle Schönheit gehört Dem, der sie entzündet. Was das Buch entlarvt, ist nicht der himmlische Bote, sondern das, was die Menschen aus der Schönheit machen, wenn sie sie für eigenes Verdienst und für die Quelle halten.
Fünfter Band von Olympische Magie — Gespräche mit den Sieben Geistern des Firmaments. Auf dem Fundament des Saturn, der Ausdehnung des Jupiter, dem Schwert des Mars und dem Licht der Sonne erhebt sich der Garten der Venus — der süßeste und der gefährlichste der Himmel, denn er ist der geliebteste, und nichts ist schwerer loszulassen als eine Kette, die Lust gibt.
Dieselbe Schönheit kann enthüllen oder gefangen nehmen, dieselbe Liebe kann einen oder verschlingen — und was sie trennt, ist die Hand, in der der Mensch die Kraft hält: offen, damit sie fließe; oder geschlossen, damit sie in der Handfläche verfaule.
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